Tibetreise 8 - Herbst 2009

ReiseberichtReiseroute

Eine Reise auf das Dach der Welt - Reisebericht von Jennifer Heinrichsen

Für Herrn Bergermann, Lehrer der UNESCO-AG des PGU, war diese Reise schon fast Routine, schließlich war es die achte, die er für eine Gruppe aus Schülern, Lehrern und Eltern organisiert hat, aber eine Kleinigkeit war dieses Mal neu: Eine goldene Taube, von der es nur noch 29 weitere auf der Welt gibt, sollte unsere Reise begleiten. Unser Ziel war es, sie an möglichst vielen Plätzen und mit Menschen zu fotografieren, da sie für die Menschenrechte steht, die wir so symbolisch in die Welt tragen wollten.
Mit 26 vorfreudigen Reisenden und einer Taube standen wir am 3. Oktober in Unna am Bahnhof, alle mit vielen Erwartungen an die nächsten drei Wochen. Die Stimmung war gut, daran konnten auch neun Stunden Flug von Frankfurt nach Peking nichts ändern. In Peking angekommen, ließ der Jetlag nicht lange auf sich warten. Die kleine Wanderung vom Hotel zur Verbotenen Stadt und zum Platz des Himmlischen Friedens wurde eine große Herausforderung, aber so ging der Plan von Herrn Bergermann auf, uns alle wach zu halten, damit wir uns an die Zeitumstellung gewöhnen konnten. Irgendwann hatten wir dann auch kurz Zeit zum Duschen, aber dann ging es direkt weiter zum Abendessen und zum Nachtmarkt, wo ein paar von uns Skorpion und andere „Leckereien“ probiert haben. Bereits nach diesem Tag konnten wir alle erahnen, dass wir auf dieser Reise nicht viel Schlaf bekommen würden. Nach zwei Tagen in Peking hatten wir alle Sehenswürdigkeiten, darunter das Olympiagelände und die Chinesische Mauer, gesehen und es ging mit dem Nachtzug nach Xi’an. Die Stadt war nicht sonderlich schön, aber um die Terrakotta-Armee zu sehen, war sie einen Besuch wert. Nach einem Tag voller Besichtigungen ging es dann mit dem Flugzeug weiter nach Chengdu, wo es direkt zum Panda-Reservat ging, was für viele von uns ein kleines Highlight war. Das Essen, das wir an diesem Abend bekamen, sollte jedoch zu einem noch größeren Highlight werden, da es in ein europäisches Restaurant ging. Bereits nach sechs Tagen war es wundervoll, mal nichts Chinesisches zu essen. Die Taxifahrt zum Restaurant war leider nicht so wundervoll, da wir das Gefühl nicht losgeworden sind, dass Chinesen eigentlich keine Verkehrsregel haben. So wurden aus drei Spuren 5fünf gemacht, abgebogen wurde wie man wollte und auch der Gegenverkehr stellte kein Hindernis für Überholmanöver dar. Als wir alle wieder heil im Hotel angekommen waren, waren wir daher sehr erleichtert.
Nach sechs Tagen in China ging es endlich zu unserer ersten Station in Tibet. In einer achtstündigen Busfahrt über Buckelpisten (Straßen konnte man das nicht nennen) ging es nach Moxi, das deutlich höher lag als unsere vorherigen Stationen. So haben schon ein paar Stufen großes Herzklopfen ausgelöst. Wir hatten viel Freizeit und konnten uns die kleine Stadt angucken, bevor es ins Bett ging, denn Schlaf hatten wir in den letzten Tagen alle zu wenig bekommen. Am nächsten Tag war dann an Ausruhen nicht mehr zu denken und es ging für uns alle in das wunderschöne Hotel, das direkt am Hailuogou - Gletscher und an heißen Quellen lag. Wir haben aber nur das Gepäck abgeladen und dann ging es an den Aufstieg zum Gletscher. Die Sache war nicht ganz ungefährlich und die Erklärung, wenn eine Gletscherspalte komme, sollten wir Arme und Beine ausstrecken um nicht ganz in der Spalte zu verschwinden, war sehr beruhigend. Nach stundenlangem Wandern waren wir irgendwann wieder am Hotel und durften zur Belohnung ein Bad in den heißen Quellen genießen. Leider haben diese nach faulen Eiern (Schwefel) gestunken. Am nächsten Morgen ging es nach Kangding und von da aus weiter zum eigentlichen Hauptziel unserer Reise, zu unserem Kinderdorf nach Dawu. Seit 13 Jahren unterstützt die UNESCO-AG dieses Projekt und es kommen immer wieder Gruppen vom PGU, um die Kinder zu besuchen. Unser Bus konnte nicht bis ins Dorf fahren, weil alle Kinder schon am Tor standen, um uns zu begrüßen. Die meisten von uns mussten noch im Bus anfangen zu weinen. Man kann nicht beschreiben, was man in dem Moment fühlt, wenn man all die Kinder sieht, die einen nicht kennen und einen trotzdem so herzlich aufnehmen. Wir haben nur kurz unsere Sachen in das Haus für die Besucher gebracht und etwas gegessen und sind dann sofort wieder raus gegangen, um mit den Kindern zu spielen oder einfach nur bei ihnen zu sitzen. In den drei folgenden Tagen hatten wir sehr viel Arbeit und keinem von uns hat diese Arbeit was ausgemacht, denn man hat gesehen wofür man arbeitet. Ein Klassenraum wurde renoviert, in den einzelnen Häusern Reparaturen vorgenommen und die Stammblätter der Kinder wurden erneuert. Der Spaß durfte aber natürlich nicht zu kurz kommen und so haben wir in der wenigen freien Zeit, die wir hatten, ein Sportfest, einen Mathe- und einen Englischwettbewerb für die Kinder organisiert. Wir haben versucht, möglichst viel Zeit mit den Kindern zu verbringen und wir haben jeden Tag zweimal mit ihnen zusammen gegessen. Dazu hat sich unsere Gruppe immer zu dritt oder zu viert zusammengetan und auf eines der Häuser aufgeteilt. Es wurde gesungen und getanzt, dass nicht immer alles verstanden wurde, was man gesagt hat, spielte keine Rolle. In nur 4 Tagen hat man eine Beziehung zu den Kindern aufgebaut und so war trotz der tollen Abschiedsfeier, die die Kinder mit den Lehrern und Hausmüttern für uns organisiert haben, die Stimmung durch immer wieder kommende Tränen leicht gedrückt. Am Morgen der Abreise sind wir sehr früh aufgestanden, aber es sind natürlich alle wach gewesen, um sich von uns zu verabschieden. Es war unglaublich schwer zu sagen, dass man jetzt wieder geht, wenn man in die weinenden Gesichter geguckt hat und die vielen Hände loslassen musste, die einen festgehalten haben. Keiner von uns konnte die Tränen zurückhalten und so wurden die ersten paar Stunden im Bus auf der Fahrt zurück nach Kangding zu den stillsten der Reise. Von Kangding ging es wieder zurück nach Chengdu, um von da aus nach Lhasa zu fliegen. Lhasa war die letzte Station unserer Reise, aber auch eine der schönsten. Dazu haben auch das beste Hotel, das wir auf der Reise hatten und das europäische Restaurant direkt daneben beigetragen. Die Stadt selbst hatte viele Sehenswürdigkeiten zu bieten und durch die vielen Führungen mit tibetischen Guides konnten wir viel über die Geschichte und den Glauben in Tibet lernen. Es waren unglaublich viele Tibeter in Lhasa, die auf Pilgerreisen waren und den Potala und andere Heiligtümer besucht haben. Es war sehr beeindruckend, wie gläubig die Menschen in diesem Land sind und welche Strecken sie zurücklegen, um die heiligsten Plätze zu besuchen. Den totalen Gegensatz haben die chinesischen Soldaten, die auf Dächern und an Straßenecken stationiert waren, dargestellt. Sie marschierten zwischen den betenden Tibetern durch die Stadt, um immer präsent zu sein, doch auf uns wirkte das Ganze eher grotesk. Nach knapp sechs Tagen in Lhasa war unsere Reise dann zu Ende und es ging von Lhasa nach Peking und von da aus zurück nach Frankfurt, mit einem kleinen Zwischenstopp in München, da unser Flieger wegen schlechten Wetters erst nicht in Frankfurt landen konnte. Am Bahnhof sind wir alle den zu Hause Gebliebenen in die Arme gefallen und mal wieder sind ein paar Tränen geflossen.
Diese Reise hat uns allen eine andere Welt gezeigt und Eindrücke vermittelt, die man nicht beschreiben kann. Man hatte den Alltag vergessen und sich gefragt, was wirklich wichtig ist und obwohl wir es für einen kurzen Moment begriffen haben, hat uns der Alltag nach einiger Zeit doch wieder eingeholt. Die Reise war wundervoll und die beste Erfahrung, die man machen kann. Ich glaube alle von uns denken oft zurück an 21 anstrengende, aber auch wundervolle Tage, immer mit dem Bewusstsein, dass wir ein Leben leben dürfen, von dem andere nicht mal träumen können.

Leider hat sich die UNESCO-AG aufgelöst, doch die Hauptarbeit für das Kinderdorf in Dawu hat die neue Gruppe, Tadra – Gemeinsam für Tibet, übernommen

Text: Jennifer Heinrichsen 

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Bilder der Reise - M. Bergermann, Kevin Heinicke

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Teilnehmer

Reiseroute

Appeldorn, Jörn
Appeldorn, Jürgen Dr.
Appeldorn, Niels
Bergermann, Manfred
Buschkamp, Peter
Döring, Louise
Grenz, Christoph
Grünschläger, Florian
Heinicke, Kevin
Heinrichsen, Jennifer
Heinrichsen, Petra
Hübner, Pauline
Kammerlander-Appeldorn, Christiane
Kasperidus, Marilena
Kasperidus, Marlis
Kikul, Sonja
Kop, Hannah
Meesewinkel-Risse, Kim
Müller, Raimond
Sander, Elli
Schaper, Nicole
Schmidt, Jan-Ulrich
Schmidt, Ulrich
Schmitt, Leanne
Schmitt, Regina
Wittkamp, Kerstin
3.10. Abfahrt Dortmund/Unna-Frankfurt- Flug Beijing (CA 966 14.50 Uhr)
4.10. Ankunft Beijing (06.20 Uhr), Transfer und Einschecken Hotel Harmony, Nachmittags Spaziergang zum Platz des Himmlischen Friedens und Besuch der Verbotenen Stadt
5.10. Tagesausflug zur Große Mauer bei Badaling und den Minggräber inkl. Lunch
6.10. ganztägig zur freien Verfügung in Beijing, abends Transfer zum Bahnhof und Nachtzug nach Xian in Soft Sleeper - Kategorie
7.10. Ankunft in Xian am Morgen, Transfer zum Hotel in der Altstadt, Tagesausflug zur Terrakottaarmee, der Großen Wildganspagode und dem Steelenwald inkl. Lunch
8.10. Flug MU(07.45 Uhr) von Xian nach Chengdu, Ankunft und Transfer (Bus) zum National Hotel, nachmittags Ausflug (Bus) zum Panda Research Center
9.10. Abfahrt (Bus) Chengdu – Kangding- Moxi (heiße Quellen), Übernachtung im Park
10.10. Moxi, Wanderung zum Hailuogou Gletscher (Übernachtung im Park)
11.10. Moxi (neue Strecke) - Kangding (Hotel Love Song)
12.10. Kangding - Dawu
13.10. Kinderdorf
14.10. Kinderdorf
15.10. Kinderdorf
16.10. Dawu – Kangding (Hotel Love Song)
17.10. Kangding – Chengdu (National Hotel)
18.10. Transfer National Hotel Flughafen und Flug Chengdu- Lhasa, Transfer zum Yak Hotel
19.10. Lhasa (Yak Hotel)
20.10. Ausflug Kloster Ganden (Yak Hotel)
21.10. Ausflug Nam Co (Yak Hotel)
22.10.Besichtigung Potala
23.10.Vormittag zur freien Verfügung, Nachmittags Transfer zum Flughafen und Flug CA 112 nach Beijing
23.10.Flug CA 965 (02.00 Uhr) Beijing Frankfurt (05.45 Uhr), Zugfahrt nach Dortmund/Unna

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