Was macht Ihr, Ihr Mönche von Aba?

Selbstverbrennung in Tibet

Immer wieder verbrennen sich Tibeter aus Protest gegen die chinesischen Restriktionen und für eine Rückkehr des Dalai Lama in ein befreites Tibet und gefährden damit soziale Projekte und damit die Lebenssituation hunderter tibetischer Kinder in den betroffenen Gebieten.

Die feurigen Proteste durch Mönche, hauptsächlich aus der Region um Aba, haben in weiten Teilen Sichuans, Qinghais und der Autonomen Region Tibet (ART) zu einer immer restriktiveren Politik Chinas geführt. Dies als unmittelbare Reaktion auf die Selbstverbrennungen. Bei der Beschreibung dieser Aktionen, vor allem durch Exil-Tibeter und deren Unterstützer, erscheinen mir Begriffe wie: „Feurige Proteste“, „Selbstaufopferung“, „Selbstverbrennung“ euphemistische Ausdrücke für eins zu sein: für schlichten Mord bzw. Selbstmord. Ein Mord benötigt kriminalistisch gesehen  ein Motiv und eine Gelegenheit.  Die Gelegenheit bieten das Vorhandensein von Brandbeschleunigern und hohe tibetischer Feiertage. Wo aber liegt das Motiv in diesem Falle?
 
Seit 1959 ist Tibet nach der „Befreiung“ durch die Volksbefreiungsarmee ein Teil Chinas geworden. Das historische Tibet wurde aufgeteilt auf die chinesischen Provinzen Gansu (Amdo) und Qinghai ( Amdo), Sichuan und Yünnan (Kham) und die sogenannte Autonome Region Tibet ( Ü, Tsang, Ngari). Daneben führte die „Befreiung“ zur Flucht des 13. Dalai Lama, dem zu diesem Zeitpunkt politischen und religiösen Oberhaupt der Tibeter, ins indische Exil nach Dharamshala/ Mc Loed Ganji. Daraus resultiert immer wieder die Forderung der sich selbst Verbrennenden nach Rückkehr des Dalai Lama in ein „selbständiges Tibet“. Träumereien also.

Aus chinesischer Sicht ist dies eine separatistische Forderung, wogegen es mit aller Staatsmacht  anzugehen gilt.
In China  kam es auch schon vor den Selbstverbrennungen immer wieder zu Aufständen von Minderheiten wie den Uiguren in Xinjiang und den Tibetern in Tibet. Besonders zu Zeiten, in der die Weltöffentlichkeit ihr Augenmerk auf China richtete. So, z. B. zur Zeit der Olympischen Spiele 2008, in der es zu erheblichen Unruhen in der ART, besonders in Lhasa kam. Aus dieser Zeit stammen noch viele der Restriktionen, gegen die sich nun wiederum Tibeter durch Selbstverbrennung auflehnen. Ein Kreislauf der Gewalt ist entstanden, der wie der Gordische Knoten kaum aufzulösen scheint. So wurde seitdem in tibetischen Klöstern politischer Unterricht installiert, dessen Ziel unter anderem die Verleugnung des Dalai Lama war. Ein unzumutbares Ziel für die hochgläubigen Mönche. Es kam exemplarisch im Kloster Kirti (Aba – Provinz ) zu ersten Unruhen, die dazu führten, dass das gesamte Kloster von chinesischen Sicherheitskräften abgeriegelt wurde und später die Mönche deportiert wurden, sofern sie nicht schon vorher in die Berge geflüchtet waren.

Danach fanden in dieser Region wiederum Selbstverbrennungen statt, denen viele andere, inzwischen  circa 140 (Stand 2015), folgten.
Die Straße, auf der diese Selbstmorde stattfanden, wird vor allem von den Exil-Tibetern sinniger Weise  als „Straße der Helden“ bezeichnet.
Positiv bewertet werden diese „Heldentaten“ wiederum durch Exil–Tibeter auf der ganzen Welt und deren Lobbyisten.

Was bedeutet dies aber für die normalen Tibeter in den betroffenen Gebieten Tibets?
Was bedeutet dies im Besonderen für soziale Projekte in Tibet?

In den betroffenen Gebieten führt jede Selbstverbrennung unmittelbar zu Unruhen und in deren Folge zu verschärften Kontrollen und Überwachungen. Dazu dienen den Chinesen das Militär (offensichtlich) und die Geheimpolizei (weniger offensichtlich). Außerdem wurde ein undurchschaubares Spitzelsystem aufgebaut was besonders gefährlich erscheint.
Die Situation vor Ort verschlechtert sich also deutlich. Für soziale Projekte, vor allem für Projekte ausländischer Organisationen, ist diese Situation äußerst bedenklich. Besuche in den Projekten werden fast unmöglich gemacht, da die Chinesen Zufahrten oder sogar ganze Regionen für Ausländer sperren. Selbst das Telefonieren wird gefährlich, da die Gespräche ständig abgehört werden. Über allem schwebt ständig die Sorge, dass das Projekt gänzlich geschlossen wird, was in China jederzeit möglich ist.

Deshalb, liebe Mönche von Kirti und ihr anderen, lasst ab von den Selbstverbrennungen. Ihr bereitet euren Angehörigen große Trauer, euren tibetischen Mitbürgern eine schwierigere Lebenssituation aber ihr ändert – nichts!

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