Symbolik der tibetischen "Nationalflagge"

Die tibetische Nationalflagge wurde vermutlich vom 13. Dalai Lama (1876- 1933) entworfen. Das chinesische Regime hat sie in Tibet verboten und geht seitdem brutal gegen Verstöße vor:

Bei der ersten Unabhängigkeitsdemonstration in Lhasa (1987) trugen die Demonstranten die Flagge bei sich und wurden deshalb von der chinesischen Staatssicherheit niedergeschlagen. Auch danach hat es viele Verhaftungen mit dem Verstoß gegen das Flaggenverbot gegeben.

Zur Symbolik der Flagge:

Der goldene Rand steht für die Verbreitung der Ideale der buddhistischen Religion.

Die Strahlen symbolisieren die aus den sechs Urstämmen hervorgegangenen zwölf alten Stämme Tibets. Die rote und blaue Farbe weist auf die zwei Schutzgottheiten Tibets, Palden Lhamo und Tschamsi, hin.

Der weiße Berg ist Sinnbild der von Schnee bedeckten Berge, die die tibetische Landschaft prägen.

Die aufgehende Sonne bedeutet Glück und Wohlergehen für das Land.

Die Schneelöwen stellen die Macht der geistlichen und weltlichen Herrschaft dar. Schneelöwen tauchten bereits im 7. Jahrhundert auf tibetischen Militärflaggen auf.

Die flammenden Juwelen in den Pranken der Löwen stehen für die Verehrung der so genannten "Drei Juwelen": Buddha, seine Lehre und die Gemeinschaft seiner Anhänger.

Das runde Juwel fordert die Tibeter auf, stets die Gesetze einzuhalten.

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Tibetische Medizin

Eine Kopie des „vierteiligen medizinischen Klassikers“ im Institut tibetischer Medizin in Lhasa.
Ein Thanka.
Eine Gruppe medizinischer Doktoren und Kursteilnehmer bilden die tibetanische Krautmedizin.

Tibetische Medizin


Einleitung

Nach tibetischer Folklore war die erste Krankheit die Verdauungsstörung und die erste Medizin war kochendes Wasser. Im 8. Jahrhundert wurde die Han Medizin („komplette Abhandlung auf Medizin“) durch die zwei Tang-Prinzessinnen Wen-Cheng und Jing-Ceng nach Tibet übermittelt. Doktoren aus der Tang-Dynastie, Indien und Nepal wurden nach Tibet eingeladen.

Ein Tang Doktor, Tashi Donsongonwa, wurde zweimal nach Tibet eingeladen und wurde dort berühmt. Der tibetische Heilige der Medizin, Yutok Yonten Kongpo, war einer seiner Schüler. Der tibetische Heilige reiste in die damalige Tang-Dynastie, nach Nepal sowie nach Indien und schrieb den wichtigen „vierteiligen medizinischen Klassiker“, welcher zu dieser Zeit als Grundsatz medizinischer Behandlung angesehen wurde. Es ist zu beachten, dass dieser Grundsatz in den letzten tausend Jahren durch spätere buddhistische Beeinflussungen andauernd neu abgestimmt und verändert wurde.

Zu der Zeit des Wiederauflebens des Buddhismus in Tibet gab es viele indische Mönche, die durch ihre Medizinversessenheit indische Medizin nach Tibet überlieferten. Die drei lebensnotwendigen Tätigkeiten, „lon“, „qibo“ und „paigen“ wurden durch indische Mönche und Mönche der Han -Dynastie beeinflusst.

Aufgrund des Prozesses der Körperzerschneidung bei den „Himmelsbegräbnissen“ haben die Tibeter viel von der Anatomie des Menschen kennengelernt. Sie hatten ein anschauliches Bild vom menschlichen Körper. Tibetische Doktoren beobachteten die Entwicklung von Föten und sie unterteilten die Schwangerschaftsperiode in drei Teile: die „Fischperiode“, die „Schildkrötenperiode“ und die „Schweineperiode“. Dies war eine Entdeckung der Embryologie.


Im 17. Jahrhundert gründete Diba Sangsgyas Gyatsho das „Mendzi Khang“ Institut für Astronomie und Medizin. Er schrieb das umfangreiche Buch „Blaue Glasur“, welches ein Klassiker wurde. Eine Kollektion von 79 Thangkas über die Medizin wurde von ihm in Auftrag gegeben und bis zur heutigen Zeit aufbewahrt.


Physiologie

Grundsätzlich gibt es drei lebenswichtige Tätigkeiten, „lon“, „qibo“ und „paigen“, im menschlichen Körper, der aus sieben Komponenten besteht: Milch, Blut, Fleisch, Fett, Knochen, Knochenmark und Extrakt (Hormon?). Es gibt drei Ausscheidungsstoffe: Kot, Urin, Schweiß.

„Lon“ wird mit der Luft oder dem Wind verglichen. Es ist für die Blutzirkulation, die Atmung und die Zirkulation der Lebensenergie (genannt „qi“ bei den Han und „prahna“ bei den Indern) notwendig.

„Qibo“ wird mit dem Feuer verglichen. Es kontrolliert Stoffwechsel, Verdauung und Thermoregulation.

„Paigen“ wird mit dem Wasser und der Erde verglichen. Es ist für die Ausgestaltung des Körpers zuständig, zum Beispiel für die Größe, die vererbten Charakterzüge und die körperliche Verfassung.

Die Übereinstimmung der drei Tätigkeiten ist bei jedem Individuum unterschiedlich und kann als Basis zur Klassifizierung menschlicher Typen dienen; „lon“ ist charakteristisch für Menschen, die sorgenfrei sind, ein schnelles Begriffsvermögen besitzen und Dinge wieder schnell vergessen. „Qibo“ ist typisch für jähzornige und intolerante Menschen und „paigen“ verkörpert solche von ruhiger und apathischer Natur.


Diagnose

Beide, tibetische und Han-Doktoren, gehen davon aus, dass Krankheiten durch ein Ungleichgewicht im biologischen Rhythmus des menschlichen Organismus ausgelöst werden. In der tibetischen Medizin heißt dies die Ungleichheit der drei „lebenswichtigen Tätigkeiten“, sieben „Komponenten“ und drei „Ausscheidungsstoffe“. Sie können als „kalte“ und „warme“ Krankheiten zusammengefasst werden.

Wenn er einen Patienten überprüft, beginnt ein tibetischer Doktor mit einer Definition seiner Natur, das heißt, mit der Wechselbeziehung der drei Tätigkeiten. Dann sucht er nach einem Grund für die Ungleichheit und einer Methode, mit der er die Balance wiederherstellen kann.

Die Hauptmethoden, die in der tibetanischen Medizin eingesetzt werden, sind: Beobachten, Erkundigen und Puls-Nehmen. Anzumerken ist, dass die Hauptmethoden in der tibetische Medizin mit deren der Han-Medizin prinzipiell identisch sind. Die wichtigsten Methoden sind das Beobachten des Urins und die Puls-Abnahme.

Beim Beobachten des Urins sollte der Doktor Aufmerksamkeit auf die Farbe und den Dampf (heiß, warm, kalt) des Urins des Patienten lenken. Wenn die Farbe des Urins z. B. gelb ist, dann hat der Patient die „qibo“ Krankheit, etc. Wenn der Urin wenig dampft, dann hat der Patient die typische „lon“ oder „paigen“ Kältekrankheit.

Die Methoden des Puls-Nehmens sind in der tibetischen und in der Han-Medizin ähnlich. Ein tibetischer Doktor nimmt den Puls des Patienten mit seinen Fingern und verändert die Menge des Drucks. Diesen Druck wendet er dann in den spezifischen Punkten des Handgelenkes des Patienten an. So versorgt der linke Zeigefinger des Doktors ihn mit Informationen über die Lunge des Patienten, sein Mittelfinger über die Leber und sein Ringfinger über die Nieren. Der Pulsschlag des Patienten wird in Bezug auf die Atmung des Arztes gemessen: fünf bis sechs Pulsschläge zu einem Atemzug gelten als normal.

 

Klinische Medizin

Die heilenden Künste sind: Nahrung, Lebensgewohnheiten, Medizin und äußere Therapeutik.

Wegen des Mangels an Brennstoff sind die Nahrungsmittel in Tibet manchmal noch ungekocht, was zu vielen Verdauungsproblemen führt.

Die tibetischen Doktoren unterteilen die Lebensgewohnheiten in: (1) tägliches Programm (Tagesablauf), (2) Saisonprogramm (Jahresablauf), (3) temporäres Verhalten. Ihre Ratschläge gehören heutzutage größtenteils zum gesunden Menschenverstand.

Basierend auf der „Materia Medica“ („ben cao“ in Han), sind tausende Kräutermedizinen vorgeschrieben. Einige dieser Kräuter sind Mineralien wie „Perle 70“, „Koralle 25“, „13 Farbtöne Gold“. Rote Perlen werden als am wirkungsvollsten betrachtet, weil sie in Mollusken gebildet werden und Mollusken Umgestaltungen des Bodhisattva und des Buddhas sind.

Die äußeren therapeutischen Methoden sind: Blutabnahme, Moxibustion (ostasiatische Heilmethode), externe Medizin, Punktion.

Doktorentraining

Im „Mendzi-Khang“-Institut studiert ein Doktor Medizin für vier Jahre und Astronomie für weitere fünf Jahre. In einigen anderen Klöstern könnte dies länger dauern, zwölf bis fünfzehn Jahre. Um das Studium anzufangen, verbringt ein Kursteilnehmer Jahre damit, die „vierteilige medizinische Klassik“ Zeile für Zeile und zahlreiche pharmazeutische Diagramme auswendig zu lernen. Bei der ersten Prüfung muss jeder Kursteilnehmer den Kanon von Umschlag bis Umschlag auswendig aufsagen; dies dauert von Morgendämmerung bis Mitternacht.

Neben dem Empfangen des medizinischen und astronomischen Trainings studiert ein Kursteilnehmer viel buddhistisches Sutra und betreibt Yoga und Kung Fu. Das Rationale am Buddhismustraining ist, das Sittlichkeitsgefühl des Doktors zu verstärken. Das Yoga- und Kung Fu-Training wird ihm helfen, die Pulsabnahme sicherer zu praktizieren.

Es gab dreißig bis siebzig Kursteilnehmer in „Mendzi-Khang“ im ersten Teil des 20. Jahrhunderts. Die Gesamtzahl der tibetischen Doktoren war sehr begrenzt.

Bemerkungen

Es könnten einige Kostbarkeiten in der Krautmedizin versteckt liegen, die es wert machen würden die wissenschaftlichen Methoden weiter zu untersuchen.


Sebastian Grünschläger

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Musik und Tanz

Das Drilubu
Das Damaru
Die Silnyen
Das Dungchen
Das Gyangling
Das tibetische Muschelhorn

Hintergrundwissen


In Tibet hängen Tanz und Musik eng mit der Religion zusammen. Im Laufe der rituellen Zeremonien dienen Jagdhörner und Trommeln dazu, die Dämonen fernzuhalten, sowie die Aufmerksamkeit der Götter auf sich zu ziehen. Die beeindruckendsten Instrumente sind die lange Trompete, „Dungchen“, und das Muschelhorn. Sie rufen die Mönche zum Gebet und begleiten die Trommeln und die Gongs im Laufe der Zeremonien. Ihr tiefer, seltsamer Klang soll an das heilige Vibrieren erinnern, mit welchem nach tibetisch-buddhistischer Vorstellung das Weltall entstand. Das kurze Horn, aus einem menschlichen Schenkelknochen gemacht, soll die verärgerten Götter und Dämonen beruhigen. In manchen Jahreszeiten schmücken sich die Mönche mit reichen Kostümen und großen Masken aus Holz und Papiermacheé. Sie tanzen auf dem Hof der Klöster zu Ehren Buddhas und anderer Heiliger, wie z.B. Padmasambhavas, der diese Religion in Tibet eingeführt hat.

Musik

Das Land Tibet kann man in zwei Musikrichtungen unterteilen, in die Klostermusik (die buddhistische Musik) und die normannische Musik. Die buddhistische Musik ist am meisten verbreitet, weil 98% der Bevölkerung der buddhistischen Religion angehören. Die Musik ist mit der Religion sehr eng verbunden. Durch die Musik wollen die Buddhisten die bösen Dämonen und Geister vertreiben und Klarheit schaffen. Sie wollen auch die Aufmerksamkeit der Götter auf sich ziehen, um beschützt zu werden.

Das Drilbu

Das Drilbu oder die Handglocke wird immer mit der linken Hand gespielt. Die Glocke wird in der Mitte des Handgriffes gehalten. Der Klang der Glocke erinnert den Meditierenden an die Leerheit aller existierenden Dinge. Der Schüler muss ein Verständnis dieses Prinzips entwickeln, zusammen mit der Qualität der Weisheit, bevor er Einsicht in das Wesen aller Dinge entwickeln kann. Die Tänzer benutzen diese Glocke zusammen mit einer kleinen Handtrommel im Dakini Tanz.

Das Damaru

Das Damaru oder die kleine Handtrommel wird gespielt, indem zwei kleine Tonkugeln hin und her gewirbelt werden, sodass sie beide Seiten der kleinen Trommel gleichzeitig beschlagen. Der Klang erinnert den Meditierenden an die Vereinigung von Weisheit und Mitgefühl.


Das Kangling

Das Kangling ist das tibetische Wort für eine Trompete (oder Blasinstrument), das aus Knochen geformt wurde. Früher wurde sie aus menschlichen Schenkelknochen gefertigt. Sie besteht manchmal auch aus Holz oder Metall. In der Praxis des Chöd (ein Ritual im Buddhismus) spielt der oder die Praktizierende das Kangling, um Geister herbeizurufen, um ihnen dann Nahrung anzubieten und dadurch ihr Leiden zu mindern.

Das Silnyen

Silnyen ist das tibetische Wort für Zimbeln: Flache Zimbeln werden vertikal gehalten und für friedensstiftende Meditationen benutzt. Rolmo, runde Zimbeln mit tieferer Tonlage, werden horizontal gehalten.  Zimbeln werden meistens am Ende eines Gebets oder eines Opfers gespielt und symbolisieren das Opfer von reiner Musik an die erleuchteten Wesen.

Das Dungchen

Dungchen (Großes Horn)

Es ähnelt den langen Alphörnern der Schweizer und bringt einen tiefen, erderschütternden Klang hervor, der besonders typisch ist für die tibetische Musik. Es kann bis zu 5 m lang sein.

Das Gyangling

Das Gyangling ist in der Konstruktion ähnlich der Oboe. Es wird nicht für Melodien benutzt, vielmehr erzeugt es eine Serie von vier bis fünf hohen Tönen in vibrierten Trillern.

Das tibetische Muschelhorn

Musikinstrument bei buddhistischen Pujas. Es ist aufwendig verziert.

Der Tanz in Tibet

Die Kultur der Tibeter ist voller Mysterien und der tibetische Tanz und die tibetische Kleidung bilden deren Seele.
Die Tibeter tanzen in farbenfroher Kleidung. Sie müssen viel Kraft aufbringen, um in der starken Höhenluft Tibets zu tanzen.

Kampa

Mit dem Wort „Kampa“ sind die Tibeter gemeint, die im Osten Tibets leben. Kampa - Tibeter sind bekannt für ihre kräftige, farbenprächtige Kleidung und ihre einzigartigen Schmuckornamente aus Edelsteinen, Gold und Silber.

Ihre Tanzbekleidung besteht aus langen und bunten Gewändern, die mit prächtigem Schmuck verziert sind. 

Der Gorzhuang-Tanz

Tibeter sind gute Tänzer. Auf vielen Festen wird der populärste Tanz, der Gorzhuang-Tanz, getanzt. Er ist zurückzuführen auf die Ablegung des Schwures in den alten Zeiten, als Tibet noch eine Sklavengesellschaft war. Später entwickelte sich dieser Tanz zu einer Kombination aus Tanz und Gesang.  

Der Tanz wird auf einem offenen Platz aufgeführt. Die Männer sowie die Frauen tragen Gewänder mit langen Hosenbeinen und langen Röcken. Hand in Hand schließen sie sich zum Kreis. Die Männer stehen an einer Seite des Kreises, die Frauen an der anderen.

Während sie tanzen, wird gesungen und mit den Ärmeln gewedelt. Das Tanztempo steigert sich, immer schneller werdend. Während des Tanzes rufen die Frauen und Männer den Laut „Ya“. Durch diese Rufe wird der Geist geschärft.

 

Sebastian Grünschläger

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